NEWS: 30.04.2018 Mitgliederversammlung mit Satzungsänderung und Vorstandswahlen
Träger der freien Kinder- und Jugendhilfe
 
Lebenskultur der Vielfalt
 
Jeder Mensch hat seine eigene Lebensweise. Wenn sich sehr viele Menschen in der Lebensweise ähnlich sind, spricht man von einer Lebenskultur. Die Menschen sind sich einig, dass dies eine gute und richtige Lebens-Kultur ist. Einige Menschen finden in dieser Lebenskultur Hindernisse vor. Weil sie ganz anders sind wie die anderen, sie sind Autisten. Das bedeutet sie finden diese Lebensweise nicht überall gut und richtig. Diese Hindernisse nennt man Barrieren. 
 
Wenn die Lebensweise der Menschen zum Beispiel sehr laut ist, kann diese Lautstärke wie eine Lärmwand sein. Wenn nun ein autistisches Kind eine Kita oder eine Schule betritt, kann das ganz schlimm und schrecklich für dieses Kind sein. Das ist nicht nur im Empfinden so, dass das Kind das einfach so sagen würde. Das ist wirklich eine schlimme und schreckliche Sache. Und das Kind tut gut daran, wenn es sich hier zurück zieht.
 
Bei zu viel Lärm kann dem autistischen Kind sonst z.B. ganz schlecht werden. Oder es wird ihm schwindelig. Oder es kann plötzlich nicht mehr sprechen oder sich bewegen. Manchmal kann es dann auch nicht mehr richtig denken. Meist ist es aber nicht nur der Lärm. Das können auch die viel zu vielen Kinder auf zu engem Raum sein. Oder zu viele Erwachsene, die dauernd etwas von ihnen wollen. Fehlende Rückzugsräume. Oder auch ein Tagesplan, der überhaupt nicht zu den Bedürfnissen des Kindes passt. Ein Tagesplan der Grelle Lampen entält. Und surrende Geräte in den Räumen. Dann Hitze auf Spielplätzen ohne Schatten und blendende Sonne.[12] Vielleicht sogar ständige Umdekoration. Und so kann das autistische Kind nie wissen, was es als Nächstes an Barriere erwartet.[8][10] Die Erwachsenen und anderen Kinder wissen dann oft nicht was lost ist. Nicht-Autisten können die Töne und anderen Dinge oft gar nicht wahrnehmen, weil sie ganz anders sind.[14]
 
Rechtliche Grundlage
 
Autistische Kinder sind derzeit einer Lebenskultur ausgesetzt, in der es diese Namen "Autisten" und "Autismus" braucht, damit bestimmte Rechte greifen. Sie haben dadurch schon jetzt das Recht überall mit dabei zu sein, genau so wie sie es brauchen. Zum Beispiel aufgrund der UN-Behindertenrechtskonvention, dem Grundgesetz, Bundesteilhabegesetz und anderen rechtlichen Grundlagen.[1][2][13]  Es ist ihr Recht dabei zu sein, genau so wie sie sind. Ganz ohne "Umerziehung" oder sich so verhalten zu müssen, wie das alle anderen tun. Es wäre für sie auch gar nicht gesund. Denn die Barrieren sind für sie real. Und es ist nicht gesund für sie ihnen ausgesetzt zu sein. 
 
2020 tritt das Bundesteilhabegesetz in Kraft. In diesem wird genau beschrieben, welche Rechte die autistischen Kinder haben. Zum Beispiel, dass Barrieren abgebaut werden müssen. Das ist dann Gesetz. Dann müssen die Kinder nicht mehr in Sondereinrichtungen und Heime. Die autistischen Kinder können dann überall teilhaben. So wie das jetzt bei anderen Kinder schon ist. Für fast alle anderen Kinder ist das schon jetzt alltag, zu Hause bei den Eltern zu leben oder einen Schulabschluss zu erhalten.
 
In Kitas, Schulen und Hochschulen muss etwas passieren steht in diesem UN-Behindertenrechtskonvention genannten Dokument, das auch Deutschland unterschrieben hat. Es braucht Möglichkeiten, Übergangslösungen und ein gemeinsames Erarbeiten von diesem "Universellen Design". An diesem sollen alle teilhaben können, denen Barrieren derzeit manche Bereiche der Lebenskultur unzugänglich machen. Es gilt somit nicht nur für Autisten. Es gilt auch für Blinde, Kinder im Rollstuhl, Gehörlose und Vielen mehr, die ungehinderten Zugang zu Bildung erfahren sollen. Das Ziel ist es, genau dort wo man lebt, dem Sozialraum in die nächst gelegene Kita zu können. Oder in die Schule oder Hochschule - So wie alle anderen auch, die keinen behindernden Umständen, den Barrieren im Sozialraum begegnen.
 
Und wenn das nicht so schnell geht, da die Barrieren jetzt im Moment alle noch da sind, müssen Hilfsmittel eine Brücke bilden. Mit einem Assistenzhund können Barrieren regulierbar werden. z.B. in einer S-Bahn kann er sich an die Seite des Kindes legen, so dass ihm keiner zu nah kommt. Mit Telepräsenz kann eine Verbindung ins Klassenzimmer von Zuhause aus geschaffen werden. Fernschulmaterial kann zur Verfügung gestellt werden, wenn die Schule erst einmal überhaupt nicht weiß, wie sie nun Barrieren abbauen soll. 
 
Der White Unicorn e.V. dient dazu, dass das umgesetzt wird. Die Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie hat unserem Träger in Auftrag gegeben, sich mit darum zu kümmern. Unser Bereich nennt sich Kinder- und Jugendhilfe, da wir uns vor allem auf autistische Kinder ab Geburt bis zum 21. Lebensjahr spezialisiert haben. Als ein solcher Träger der Kinder und Jugendhilfe geht es allein sehr schwer. Somit hat sich der White Unicorn e.V. einen Korporationspartner gesucht und ist nun mit der Arbeiterwohlfahrt (AWO) auf diese Weise verbunden. Das Gesetzbuch in dem die Regierenden die Vorschriften für diese Art der Arbeit eingetragen haben nennt sich "Achtes Buch des Sozialgesetzbuchs - Kinder- und Jugendhilfe - (SGB VIII)". Dort steht im § 75 etwas zu solchen Trägern wie dem White Unicorn e.V. oder der AWO. Im §35a) steht, wie das passieren kann, was zu beachten ist bei dieser Arbeit. Gearbeitet wird an der Gestaltung des Umfeldes so lange bis auch die autistischen Kinder das gut und richtig finden und nicht mehr schlimm und schrecklich.
 
Andere Paragraphen wie SGBVIII§30/31 um Familien ganz intensiv bei Problemen zu helfen, oder eine Therapie für Familiensysteme nach §27 bieten wir im Moment (noch) nicht an. Auch wenn wir das in unserer Satzung stehen haben. Auch im Trägerkonzept ist das zu finden, aber das ist im Augenblick nur eine Möglichkeit der Zukunft. Wir bitten alle um Verständnis, dass wir das im Moment in keinem Fall anbieten können. Dafür helfen wir auch beratend geeignete andere Träger zu finden, wenn uns das möglich ist.
 
Neurodiversität
 
Autisten sind Menschen, die eine andere Neuro-Biologie haben, man spricht hier von Vielfalt im Sein.[5] Autisten sind somit ganz anders wie die meisten Menschen. Sie entwickeln sich ganz anders wie andere Kinder und Jugendliche. Autistische Kinder werden als Solche geboren und sind es ein Leben lang. So wie Nicht-Autisten auch ein Leben lang Nicht-Autisten sind. Es betrifft diese verschiedene Entwicklung in der Biologie ganz viele verschiedene Bereiche. Autismus verursacht eine charakteristische, untypische Arten des Denkens. Auch die Bewegungsweise ist sehr verschieden. Oder auch im Umgang mit anderen Menschen. Und wie oben beschrieben auch in der Gestaltung der Lebenskultur.[6] In einer Lebenskultur der Vielfalt ist es kein Problem anders zu sein. Dort braucht es keinen Namen dafür.[7]
 
Kitas und Schulen, Wohnungen und ganze Wohngebiete sowie Städte sind auf der Welt nach einer bestimmten Lebenskultur gestaltet. Genau richtig für die Mehrheit, die Nicht-Autisten. Zum Teil ganz schlimm und schrecklich für autistische Kinder und Jugendliche. Von der Natur sagen Autisten oft, dass sie dort gern sind, sie nicht als störend empfinden. Viele autistische Kinder fühlen sich in der Natur viel wohler. Ganz in Ruhe sein. Oder auch für sich stundenlang mit etwas beschäftigen mögen manche sehr. Das zu tun ist für sie gut und wichtig. Sie dabei stören wäre für sie schlimm. Manche sind auch mit etwas Lautem für sich allein sehr gern, wie einem Schlagzeug. Wenn Lärm selbst gemacht wird, ist er regulierbar und somit berechen- und einschätzbar. Man ist dem nicht hilflos ausgeliefert.
 
Ganz besonders wichtig ist es, dass Autisten lernen was für sie gut und richtig ist und was schlimm und schrecklich. Dafür benötigen sie eine gewisse Achtsamkeit im Umgang mit sich selbst und dem Leben. Wenn die Kinder noch klein sind hilft Beobachtung. Die Kleinen teilen sehr früh mit was ihnen gut tut und was für sie schlimm ist. So ist der begleitende Erwachsene ein gutes Vorbild. Wenn das Kind Unwohlsein äußert, muss das ernst genommen werden. Und man muss die Ursache heraus finden. Auf diese Weise lernt das Kind schon von den Erwachsenen, wo Barrieren existieren. Ab einem gewissen Alter können die Kinder dann auch selbst für sich sorgen. Barrieren sind grundsätzlich zu vermeiden und hier der Willen des Kindes unbedingt zu respektieren. Sonst wird das gefährlich für das Wohl des Kindes, stressig und endet schlimm und schrecklich. Da das nicht allen leicht fällt, warnen wir extra vor den Gefahren für das Kindeswohl, auf einer anderen Seite (siehe Link) unserer Website.
 
Förderung
 
Zum Teil gibt es nun aber schon manche Autisten, die genau wissen was sie gut und richtig finden. Manche haben das sogar bereits als Lebenskultur in einem kleinen Umfeld umgesetzt. So kann man beobachten und herausfinden, was für Autisten wichtig ist. In einer solchen geeigneten Lebensweise können Autisten auch gefördert werden. Sie lernen dann, wie es sich gut und richtig lebt. 
 
Manchmal ist das nicht so ganz perfekt und einfach möglich, wie in einer Schule etwa. Aber mit Hilfsmitteln zum Beispiel wie sie oben genannt wurden, ist man hier nicht ganz hilflos. Telepräsenz, Fernschulmaterial und ein Assistenzhund können hier große Dienste leisten. Wichtig ist es für die autistischen Kinder, dass sie lernen können. Und wie das geht, das Lernen und Resilienz entwickeln (Widerstandskraft im Seelischen) haben wir auf unseren Seiten ein wenig beschrieben.
 
Wenn das für die autistischen Kinder in der Lebenskultur berücksichtigt wird, geht es ihnen viel besser. Wichtig ist auch, dass sie so kommunizieren wie sie es brauchen. Das entspricht nicht dem, wie es alle anderen machen. Aber es ist für Autisten ganz natürlich und so lernen sie auch Selbst-bestimmt zu leben. So kann eine drohende seelische Behinderung der autistischen Kinder und Jugendlichen wie im SGBVIII §35a [4] beschrieben, verhindert werden. Nicht alle autistischen Kinder sprechen. Aber sie kommunizieren alle. Es gibt kein autistisches Kind, das nicht kommuniziert. Die Umgebung muss sich aber die Mühe machen, die Kinder zu verstehen. Ihre Kinder in der Familie. Oder die zu begleitenden Kinder in Kita und Schule. Auch muss ein Autist der nicht spricht an einer Hochschule wie alle anderen willkommen geheißen werden. Diese Sprache ohne zu sprechen nennt man Non-Verbale Kommunikation. Da es Menschen gibt, die nicht wissen wie sie das verstehen sollen, kann durch Figurenspiel z.B. den Familien, Lehrern und Erziehern das vermittelt werden. Jeder Autist kommuniziert, auch wenn er nicht spricht.
 
So können alle Kinder Teilhabe erfahren. Auch damit die Heranwachsenden ihre Talente und Begabungen entfalten können, die sie in der Selbst-Bestimmten Lebensweise entdecken. Dies ist ein wichtiges Merkmal der Förderung nach dem Prinzip der Vielfalt, der Neurodiversität.[11]
 
Die Kinder im (Vor-)Schulalter erhalten im (vor-)schulischen Bereich eine umfassende Förderung. Sie können sich gern mit unseren Konzepten vertraut machen. Sie finden im Überblick unsere Methoden und Vorgehensweisen im Hauptmenü in der Spalte oben, sowie den Untermenüpunkten in der Spalte links.
 
 
Einzelnachweise

 
4. Sozialgesetzbuch Achtes Buch Kinder- und Jugendhilfe, § 35a
5. THEUNISSEN 2014, S. 16
6. NICK WALKER 2015, Die wirklichen Experten
7. COLIN MÜLLER, Autismus Kultur Was Autismus ist und was nicht
8. ESH, Kollision
9. UN BRK - Stand 26.10.2016
10. What is Neurodiversity?. National Symposium on Neurodiversity at Syracuse University. 2011. 
11. Nick Walker: Julia Bascom (Hrsg.): Loud Hands: Autistic People, Speaking. The Autistic Press, Washington, DC 2012
12. Markrams: Markram, K. & H. (2010): The Intense World Syndrome - a unifying theory if the neurobiology of autism, in: Frontiers in Human Neuroscience
13. Europäische Menschenrechtskonvention (EMK)
14. Autism as a Natural Human Variation: Reflections on the Claims of the Neurodiversity Movement. Linköping University, 2014

 


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