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Kitamodell

Projektkonzept - Mini-Club mit Eltern-Cafe

Stand: 11.2016 Konzeptionierung eines Modellprojektes - Finanzierung bisher ungelöst.

Gruppengröße: Je nach Größe und dem Aufbau der Immobilie (Autisten in inklusiver Gemeinschaft mit anderen individuellen Kindern)
Alter: 2-7 Jahre
Modell: MiniClub mit ElternKindCafe
Zeit: 8-17:00 Uhr Mo-Fr 
Quadratmeter pro Kind: 12

Wir setzen mit diesem Projekt eine Maßnahme um, wie sie im Alltag der Kinder des Kitaalters Inklusion bedeuten kann, als das gleichberechtigte Spielen, Lernen und Begegnen aller Kindern in ihrer Individualität, in einer Spielgruppe, so der Grundgedanke. Während früher Kinder die unter behindernden Umständen leben ausschließlich in separierenden Einrichtungen Begegnung erfuhren, hat die gemeinsame Bildung und Erziehung von allen Kindern unter Barrierefreiheit jetzt Vorrang. Inzwischen leben mehr als die Hälfte aller Kinder die früher der Separation unterlagen barrierefrei in Kitas zusammen. Um auch für Autisten dies zu ermöglichen und den Weg aus der Integration zu finden, sind allerdings noch gewisse Anpassungen notwendig, die wir in diesem Konzept mit bedenken und umsetzen. Ein Inklusions-Assistent gewährt die wissenschaftliche Begleitung im Bereich der Rehabilitationspädagogik. Dies findet in enger Zusammenarbeit mit dem Modellteam statt, in dem Interessenvertreter autistischer Gruppen am Projekt mitwirken. Wichtige Fragen können dadurch geklärt werden, sowie Erfahrungswerte mit eingebracht.

Das Konzept des Mini-Clubs mit Eltern-Kind-Cafe erkennt die Individualität jedes Kindes, sowie die Verschiedenheit der Kinder innerhalb einer Spiel- und Lerngruppe an und sieht darin eine Bereicherung. Alle Kinder werden, unabhängig von Beeinträchtigungen oder behindernden Umständen, die Förderung und Unterstützung im Sinne der Biodiversität bekommen, die sie für eine gesunde Entwicklung benötigen. Dabei werden sie vollständig in die Gemeinschaft einbezogen. Hierbei gilt es Notwendiges zu organisieren, um die Bedürfnisse des jeweiligen Kindes zu wahren und eine Entwicklungsumgebung ihrer Potentiale zu ermöglichen, in der das Recht auf Inklusion wahr genommen werden kann. 

Räume

Vorflur (mit Garderobenschrank)
Aufenthalts-Raum 
Cafe-Raum
Kochnische (für die Eltern)
Toilette (behindertenfreundlich zur Rollstuhlnutzung)
Raum der Stille / Rückzugsraum
Garten

Raumgestaltung

Allen Räumen gemeinsam wird eine barrierefreie Gestaltung sein, wie sie für teilnehmende Kinder die unter behinderden Umständen leben bekannt sind. Auch jene die für Autisten notwendig ist, damit sie Inklusion erfahren können. Wir sehen hierfür als mindestens notwendig:

  • Vorhänge / Sichtblenden vor Fenstern, die bei Bedarf geschlossen werden können (um bewegte Objekte vor den Fenstern zu vermeiden)
  • blinkende Lampen sollten vermieden werden oder abschaltbar sein (Autisten haben mit blinkenden Lichtern in manchen Situationen Probleme)
  • symmetrische Muster wie Streifen oder Karos sollten vermieden werden (sie stellen für Autisten K.O.Muster dar, die sie handlungsunfähig machen können)
  • HochglanzFlächen sollten vermieden werden (Autisten sind häufig lichtempfindlich und reagieren stark auf Reflexionen)
  • Licht sollte dimmbar und abschaltbar sein (auch hier wegen der Lichtempfindlichkeit)
  • Spiel- und Lernmaterial, sowie anderes sollten aus dem Blickfeld entfernbar sein, z.B. in Kisten oder geschlossene Schränke verstaut (zu viele Details im Raum können verwirren, ein fester Platz dafür ist notwendig der Ordnung und Orientierung wegen)
  • Schallvermeidung durch Teppich, Vorhänge etc. (wegen häufig auftretender akustischer Hochsensibilität, Unternehmen beauftragen dies zu optimieren)
  • Verzichten auf Neonröhren und Trafos; sollten Trafos/Netzteile nicht vermeidbar sein, sollten diese absteckbar sein (Autisten nehmen das Pfeifen und Brummen von Trafos verstärkt wahr)
  • gute StossLüftung der Räumlichkeit sollte möglich sein um Gerüche zu vermeiden (wegen häufig auftretender Geruchsempfindlichkeit). Ebenfalls kann zu viel Nähe zu anderen Kindern und Betreuern wegen deren Körpergeruch eine erhebliche Belastung darstellen. Dies ist zu berücksichtigen.
  • Vermeidung von Zugluft, keine Ventilatoren (wegen taktiler Hochempfindlichkeit) möglichst einheitlicher Bodenbelag (sensorische Wahrnehmung von Autisten)
  • wenige Veränderung in der Raumgestaltung (wie im Jahreskreis, die Bereiche der Veränderung müssen klar sein und keinem Bedürfnis widersprechen z.B. der Orientierung wegen)

Räumliche Gestaltung des Raumes: Raum der Stille

Es wird ein Rückzugsraum (Raum der Stille) eingerichtet, der dazu dient, dass sich das autistische Kind jederzeit dort hin begeben kann, wenn es Ruhe benötigt. Die völlige Reizregulation der Gestaltung dieses Raumes bietet hierfür einen geeigneten Rahmen. Völlig ohne Druck und Zwang kann das Kind auf diese Weise wählen, ob es am Geschehen des Cafes oder des Spielangebotes teilnehmen will, oder seine Ruhe für sich wählen möchte. Hierdurch wird das Recht auf Teilhabe gewährt und zugleich wird den gesundheitlichen Erfordernissen Rechnung getragen. Dieser Raum unterliegt keiner Zweitwidmung, damit der Rückzug in völliger Stille und Abgeschiedenheit gesichert bleibt. Er ist so gelegen, dass die Tür zu diesem Raum nicht durch andere Kinder immer wieder geöffnet werden kann. Die Begleitung in diesem Raum hat mit viel Einfühlsamkeit zu erfolgen, damit der Ruheprozess gewährleistet bleibt. Auf Einwilligung des autistischen Kindes dürfen auch andere ruhebedürftige Kinder den Raum der Stille benutzen. Allerdings müssen gebührender Abstand und Stille gewährleistet sein. Dies gilt auch für jeden der den Raum betritt, der das Vertrauen der Kinder besitzen und keine zusätzliche Barriere darstellen sollte. Vor dem Eintreten sollte angeklopft und gewartet werden, damit das Kind sich auf den Eintretenden vorbereiten kann. Die Ordnung in diesem Raum sollte weitgehend unangerührt und unkommentiert bleiben. Bei besonderer Sinnesempfindsamkeit sollte das Augenmerk auf Geräuschdämmung, Lichtdimmung, Unterlassung von Reinigungshandlungen mit Chemikalien etc. gerichtet sein.

Aufenthaltsraum

Der Spielbereich ist so eingerichtet, dass alle bekannten Barrieren der teilnehmenden Kinder bedacht und ausgeräumt werden.

In den Stauräumen befinden sich die notwendigen Utensilien, mit denen das Angebot des MiniClubs durchgeführt werden kann. Die Kinder sind zu begleiten in dem für sie großen Schritt ins Vorschulalter und damit verbundenen Veränderungen. Ein geschützter Rahmen hierfür ist zu wahren, der durch den MiniClub geboten wird. Die Kinder werden darin begleitet neue Bekanntschaften zu schließen, gemeinsam zu spielen und Wissen zu erweitern, ebenso wie sie lernen sich entscheiden zu können Bekanntschaften abzulehnen, nicht gemeinsam zu spielen und Wissen auf die Weise zu erlernen, die für das Kind ganz allein schlüssig ist. Es ist auf die individuelle Persönlichkeit zu achten, sowie das Wesen und Anliegen der Kinder ernst zu nehmen. Der Begleiter soll Unterstützung geben die Kinder zu kritischen, selbständigen und zufriedenen Menschen heranwachsen zu lassen. Die Kinder sollen lernen eigenverantwortlich zu leben und die Möglichkeit haben Resilienz in den Bereichen des Lernens, der Kommunikation sowie der seelischen und körperlichen Gesundheit zu erfahren.

ElternKindCafe

Das Elterncafe ist unter Beachtung bekannter Barrieren von Kindern die unter behindernden Umständen leben eingerichtet. Deshalb sind für Autisten im Speziellen entstehende Gerüche, ein Klangteppich durch Geräusche sowie andere Gewohnheiten zu beobachten, in der Wirkung auf die Anwesenden. Eine Couch, ein abgerundeter Tisch sowie Sessel ermöglichen es sich dort zu bewegen ohne an harten Gegenständen an zu stoßen. Die Eltern sind hier eingeladen zu verweilen. In der Kochniesche können sie sich Tee und Cafe sowie kleine Snacks zu machen. Der Kühlschrank bietet die Möglichkeit sich auch etwas kalt zu stellen.

Pädagogische Begleitung

  • Bewegungen im Umfeld können störend sein (keine Zumutung dessen)
  • Reizregulation ist zu gewähren (siehe: Ruhezustand )
  • eine Ruhige wie gewünschte Lern/ Spielumgebung ist zu gewähren
  • Diskriminierung ist durch pädagogische Maßnahmen zu verhindern
  • Unerwünschte Berührungen sind immer zu vermeiden
  • körperliche Weisungen durch Eltern oder andere Begleiter sind zu untersagen
  • Die Bedürfnisse der autistischen Kinder sind zu wahren, auch wenn sie für andere unverständlich erscheinen, die Barrieren sind hierbei zu beachten
  • Vermeidung von Druck im pädagogisch/didaktischen Bereich ist umzusetzen
  • die individuelle Kommunikations/ und Lernweise des Kindes ist zu beachten und Raum hierfür zu schaffen
  • Bedenkzeit um zu antworten muss gewährt werden, die ist durchzusetzen
  • Sachverhalte müssen zeitnah geklärt werden, dies ist umzusetzen
  • liebende und einfühlsame Zuwendung sollte ehrlich vermittelt werden können
  • eine empathische Begleitung, welche die Wahrnehmung respektiert ist vorausgesetzt
Pädagogische Ziele
 
  1. Entdeckerfreude
  2. Gestaltungslust
     
Die Eingewöhnung ist individuell zu gestalten und hat die Bedürfnisse der Kinder unbedingt zu wahren, wie im Konzept beschrieben. Die Kinder werden darin begleitet die Zusammenhänge des Lebens zu erfassen, in Verbundenheit mit anderen. Auf diese Weise erfahren sie die Möglichkeit etwas zu bewirken, zu verstehen und zu gestalten im Erkenntnis- und Selbstentwicklungsprozess.
 
In dem Mini-Club mit Elterncafe können die Kinder in eine lebendige Beziehung miteinander treten, wenn sie dies wünschen. Durch das gemeinsame Einlassen auf diesen Prozess ist es gegenseitig möglich, den anderen zu erkennen und zu entdecken. Durch dieses sich in Beziehung setzen, vergleichen, spiegeln, hineinversetzen können sie sich selbst dadurch erkennen und kennen lernen. Je intensiver die Beziehung ist, ehrlich, annehmend, liebevoll achtend, mit Respekt der Andersartigkeit gegenüber, je intensiver ist das Selbst erkennen möglich. Erst hierdurch kann ein Eröffnen der Möglichkeiten der Welt, in ihr zu leben, sie zu gestalten erkannt werden. Unter Beachtung notwendiger Faktoren in der Pädagogischen Begleitung, der barrierefreien räumlichen Gestaltung mit Rückzugsraum der Stille, sowie Wahrung der Bedrüfnisse der Kinder wird ihnen die Entwicklung von Resilienz in den Bereichen der Kommunikation, dem Lernen sowie der seelischen und körperlichen Gesundheit ebenso wie eine Entfaltung ihres Potentiales ermöglicht.
 
 
 
 

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