White Unicorn e.V.




White Unicorn e.V.

 
Diagnose: globale Entwicklungsverzögerung, frühkindlicher Autismus
 
Einleitung
 
Autismus wurde bei unserem Sohn erst am Ende des dritten Lebensjahres diagnostiziert, da allerdings schnell und ohne Zweifel aufgrund der bereits stark ausgeprägten Pathologie. Bei einem einmonatigen stationären Aufenthalt in einem SPZ, Anfang/Mitte des vierten Lebensjahres, wurde von sämtlichen dortigen Therapeuten festgestellt, daß sie außer basaler Stimulation keinerlei Hilfe anbieten können.
 
Barrieren
 
Bislang erkannte Barrieren sind vor allem "Menschen", Unterbrechen/Unterbinden von autonomen Handlungen und "Berührung". In Gegenwart diverser Menschen ("diverse" können, je nach Tagesform, bereits zwei anwesende Personen sein), wird B. sichtlich unruhig, wird in seinem Handeln ziellos und sucht Rückzugsorte bzw versucht deutlich zu machen, daß er Rückzug benötigt. Autonome Handlungen zu unterbinden bzw Dinge lehren zu wollen, führt zu aggressivem Verhalten. Auch autoaggressives Verhalten, wie Kauen und Schlucken von Sand, Erde, Pflanzenteilen, Steinen und anderen auffindbaren Dingen in seiner Umgebung gibt es, exzessiv ausgeprägt am Anfang des fünften Lebensjahres. Im Winter mag er ungern dicke Kleidung anziehen, er bevorzugt wärmere Temperaturen und damit verbunden leichte oder keine Kleidung sowie barfuß laufen. Den kompletten Tag über kompensiert er mittels eines Musikwürfels, den er an sein rechtes Ohr drückt. Dieses Verhalten gibt es seit Ende des dritten Lebensjahres.
 
Situation im Kindergarten
 
Anfang des zweiten Lebensjahres kam unser Sohn unregelmäßig zu einer Tagesmutter. Mitte/Ende des zweiten Lebensjahres dann ganztags in eine Krippe. Die dortigen Erzieher bemerkten sehr bald Unterschiede im Vergleich zu anderen Kindern. In der Krippe war er bis Anfang des vierten Lebensjahres. Man bemühte sich dort, seinem speziellen Verhalten gerecht zu werden, was aber nicht in allen Situationen möglich war, laut Aussagen der Erzieher hätte es einer Einzelbetreuung bedurft. Anfang/Mitte des vierten Lebensjahres wechselte unser Sohn dann (wieder ganztags) in eine Kleingruppe eines integrativen Kindergartens (die allerdings 12 Kinder umfaßte). In dem Kindergarten war er genau ein Jahr und in dieser Zeit verschlechterte sich sein Zustand massiv. Am Ende stand vor allem das beschriebene autoaggressive Verhalten im Vordergrund. Verbale Kommunikation hat er bis dato nicht erlernt, hat auf Ansprache nicht reagiert, keinerlei Regeln akzeptiert und schien geistig überhaupt nicht anwesend zu sein (sein als fröhlich gedeutetes, häufiges Lachen können wir inzwischen eindeutig als Überforderung einschätzen und von einem echten Lachen unterscheiden).
 
Ruhezustandsförderung
 
Anfang/Mitte des fünften Lebensjahres, mit Beginn des neuen Kindergartenjahres, haben wir ihn aus dem Kindergarten genommen. Vorangegangen waren 3 Wochen Sommerferien im Kindergarten, in der Zeit haben wir zufällig den White Unicorn e.V. kennengelernt und über Barrieren gelernt. Am Ende der Ferien schien unser Sohn etwas entspannter, was am Morgen des neuen Kindergartenjahres komplett umschlug, daher die spontane Entscheidung. Seitdem ist unser Sohn mit seiner Mutter zu Hause. Anfangs machten beide lange Spaziergänge mit dem Reha-Buggy, das gefiel unserem Sohn sehr und entspannte ihn offensichtlich. Mit der Zeit kamen mehr Aktivitäten hinzu, z.B. Besuche von Spielplätzen oder Besuche des Wildparks. Er wird zu nichts gezwungen sondern entscheidet selbst, was er möchte und was nicht. Sein Reha-Buggy ist als Rückzugsort immer dabei, das scheint ihm wichtig zu sein. Um ihn nicht unnütz zu belasten, wird in seiner Gegenwart möglichst wenig gesprochen.
 
Regulierbarkeit von Barrieren
 
Unser Sohn ist momentan am Ende des fünften Lebensjahres. Durch das Gestalten des Tagesablaufs zu zweit lassen sich Barrieren grundsätzlich gut vermeiden. Sorgen bereitet uns insbesondere die Schulpflicht ab dem siebten Lebensjahr, da wir fürchten, daß all unsere Bemühungen dann zunichte gemacht werden, da wir dann eben keinerlei Einfluß mehr auf Barrieren haben, die offenbar selbst bei Fachpersonal bislang noch relativ unbekannt sind.
 
Resilienz durch den Ruhezustand
 
Von Resilienz kann vermutlich bislang noch nicht gesprochen werden, aber wir sind auf einem guten Weg dahin. Unser Sohn kommuniziert bislang non-verbal und wird von seiner Mutter inzwischen sehr gut verstanden. Umgekehrt hat unser Sohn Sprache ganz altersgerecht gelernt und versteht daher, was man sagt. Die ersten 1,5 bis 2 Jahre seines Lebens hat er sich relativ normal entwickelt, dann gab es einen Stillstand gefolgt von Rückschritten. In dem vergangenen barrierefreien 3/4 Jahr ist er deutlich ruhiger geworden und macht auch wieder Fortschritte.
 
Danke
 
Wir haben White Unicorn eine Menge zu verdanken! Im Grunde die Gesundheit unseres Kindes. Kein Heilpädagoge, kein Heilerzieher und vor allem keine Autismusfachkraft war in der Lage, zu definieren, was mit unserem Sohn nicht stimmt und warum er sich verhält, wie er sich verhält und dieses Verhalten immer schlimmer wurde. Im Gegenteil, es wurde versucht, ihn mit immer mehr Regeln und Erwartungshaltungen in eine Norm zu "pressen", in die er ganz offensichtlich nicht paßt, die allerdings seitens des Gesetzgebers von jedem Individuum gleichermaßen eingefordert wird. Erst seit er von sämtlichen Zwängen befreit wurde und sich ganz so verhalten und entwickeln darf, wie es ihm offenbar zuträglich ist, entwickelt er sich auch (wieder).
 
 
Deutschland 2017

Zurück