NEWS: Wir wünschen einen informativen Aufenthalt

 
Gastbeitrag der ESH über Barrieren
(Enthinderungsselbsthilfe - von Autisten für Autisten und Angehörige)
 
 
Grundzüge der Kollision autistischer Eigenschaften mit nichtautistisch geprägter Umgebung [1]
 
Nicht alle Autisten müssen jede hier geschilderte Einzelwahrnehmung so wie dargestellt empfinden. Um Barrierefreiheit für die gesamte Autistenheit zu gewährleisten, ist es jedoch erforderlich, auf sämtliche Punkte einzugehen.
 
Autisten filtern Sinnesreize nicht unbewußt, sondern nehmen diese mehr oder weniger ungefiltert wahr und müssen sich in einer aktiven Denkleistung laufend entscheiden, welchen Reiz man versuchen sollte besonders zu beachten. Daher kann z.B. der wohlige nichtautistische Klangteppich für Autisten zu einer Barriere werden, sich in einer Umgebung zu orientieren.
 
Jeder dieser Faktoren beansprucht geistige Kapazitäten, stellt gewissermaßen einen Schleier dar, der ständig immer wieder erst durchdrungen werden muß. Welcher Faktor bei einem einzelnen Autisten eine wie große Rolle spielt, hängt von seiner individuellen Veranlagung ab. Autisten sind wie andere Menschen auch teilweise eher visuell ausgerichtet, teilweise eher akustisch, teilweise auch anders.
 
Je mehr einzelne Barrieren in einer Situation vorzufinden sind, desto höher die gesamte Barrierehaltigkeit. Wahrscheinlich ist dabei eine enorme psychische Anstrengung, die über das hinausgeht, was Nichtautisten sich freiwillig zumuten würden. Autisten sind jedoch gewohnt hierbei ständig an ihre Grenzen zu gehen, psychisch gesund ist das deswegen noch lange nicht. Diese ständigen Anstrengungen haben Folgen, die dem Burnout-Syndrom entsprechen können. Es kann eine schlimme Erfahrung sein, bereits durch Situationen, die für andere selbstverständlich zu sein scheinen, über die Maßen belastet zu werden. Dies kann zu erheblichem Selbsterleben als Versager führen, zu psychischen Traumen, deren Gründe vom nichtautistischen Umfeld nicht ansatzweise nachvollzogen werden können.
 
Wer in einer Welt leben muß, die nicht gemäß der eigenen Veranlagung gestaltet ist, kann erhebliche Zweifel an sich bekommen. Der Gedanke, daß nicht man selbst das Problem ist, sondern die nicht passende Umgebungsgestaltung, liegt ohne Kontakt zur autistischen Subkultur recht fern.
 
Unterdurchschnittlich kleine Personen sind für jedermann sichtbar nicht in der Lage, ohne Leiter im Supermarkt an das oberste Regal zu gelangen. Die andere Wahrnehmung von Autisten sieht man jedoch von außen nahezu gar nicht, zumal Autisten meist gelernt haben, durch Imitation eigentlich fremder Verhaltensmuster weniger aufzufallen. Daher reagieren die meisten Mitmenschen auch völlig anders als im Fall einer kleinen Person. Hilfestellung ist fast nie zu erwarten, da das Problem nicht sichtbar ist. Wer kauft z.B. schon für eine offensichtlich körperlich gesunde Person ein, die angibt das gerade nicht zu schaffen? Würde man damit vielleicht nicht falsch handeln, indem man eine Schüchternheit unterstützt, statt der Person Mut zu machen es selbst zu erledigen?
 

Einzelnachweise


1. Enthinderungsselbsthilfe von Autisten für Autisten - Grundzüge der Kollision


Zurück