White Unicorn e.V.




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Diagnose: Frühkindlicher Autismus

Barrieren

Schon als Saeugling habe ich mich beschuetzend vor meinen Sohn gestellt, wenn bei Familienfesten oder sonstigen Zusammenkünften alle meinen Sohn anfassen und küssen wollten. Instinktiv merkte ich, das mag er nicht. Er mochte also von Geburt an weder Menschenmassen noch laute Geräusche. Er mag kein Geschreie, kein Weinen, kein Parfüm etc. Kurz gesagt, alles, was seine sensiblen Sinne zu sehr reizt, verabscheut er. Die grösste Barriere in seinem jungen Leben war der Besuch des Kindergartens für 9 Monate, dort war das Ambiente natürlich so wie er es gar nicht mag: laut, voll, mit zu wenig Aufmerksamkeit für das Individum.

Situation in der Kita

Mein Sohn sprach von Woche zu Woche weniger, bis er gar nichts mehr sagte. Zwar hatte er als 1,5-Jähriger nur einen kleinen Wortschatz, den hat er aber komplett verloren. Als er in die Kita ging, wachte er jede Nacht mind. ein Mal auf, wurde immer verschlossener, unruhig lief er am Ende des Tages minutenlang um den Tisch, war kränklich, machte stundenlang Geräusche und war, und das ist das Schlimmste, unendlich traurig. Auf den Fotos der Zeit sieht man es so deutlich, dass es mir jedes Mal das Herz bricht...dieser trauriger Blick ins Leere...

Ruhezustandsföderung

Wir haben ihn aus der Kita genommen und ich, als Mutter, werde die nächsten Jahre nicht arbeiten. Wir werden auch den Wohnort wechseln und sogar in ein anderes Land ziehen. Aber es ist nicht das Wichtigste welches Land es ist. Es ist wichtiger in mitten der Natur zu leben, denn aktuell wohnen wir in einer der chaotischsten, verschmutztesten und lautesten Stadt Europas.

Josef braucht die Bewegung an der frischen Luft. Er liebt es im Grünen zu spielen, zu laufen...er liebt das Schwimmen in Meer. Er liebt auch die Autofahrt zu seinen Lieblingsorten. Also morgens braucht er diese Action, die er in der Kita natürlich nicht hatte. Dadurch, dass er sich so austoben kann, geht er viel weniger auf Zehenspitzen und auch das Händeflattern ist dann viel weniger ausgeprägt. Danach wird dann der ganze Tagesablauf ruhiger. Wir haben fuer ihn ein "Sensory Room" eingerichtet, mit Stimmungslichtern, Kerzen, Wassersäule, dazu Entspannungsmusik.... In diesem Raum schläft er gern ein, tagsüber und abends. Sein Bett ist auch auf seine Vorlieben hergerichtet. Er fühlt sich geborgen. In der Kita hat er nie geschlafen. Er möchte auch immer in engem Körperkontakt zu mir sein, und ich lasse es zu und geniesse unser Kuscheln. Auch das iPad hatte seine positiven Auswirkungen und auch der regelmässige Kontakt mit seinem Lieblingstier, der Katze.

Die wichtigste und schönste Auswirkung ist, dass er lacht und glücklich ist. Und es gibt noch viele Andere. Er fängt wieder an einige Wörter zu sagen, er schläft durch, er ist nicht mehr unruhig, er fasst jetzt viele Oberflächen an, die er vor ein paar Monaten nie berührt hätte, er ist gesünder (als er noch in die Kita ging hatte er sogar Fieberkrämpfe), er reagiert häufiger, wenn er gerufen wird, er will mit uns Emotionen teilen, er empfindet Zutraulichkeit durch die Katze und guckt Fremde jetzt öfter an.

Regulierbare Barrieren

Eine grosse Hürde ist es, dass es keinen vergleichbaren, sicheren Ort für mein Kind gibt, wo ich ihn für ein paar Stunden lassen könnte. Es ist nicht immer einfach jeden Tag, jede Stunde für ihn dazusein, vorallem wenn es noch Geschwisterkinder (darunter eine Einjährige mit Down-Syndrom) gibt, die natürlich auch ihre Mutter brauchen. Ich probiere alles unter einem Hut zu bekommen, aber es ist schwer. Natürlich würde ich gern auch mal wieder meinen geliebten Sport machen oder etwas nur mit meinem Mann unternehmen, aber diese Wünsche sind Nebensache. Natürlich könnte es auch eine finanzielle Hürde sein, was aber z.Z. zum Glück nicht der Fall ist.

Resilienz durch den Ruhezustand

Es lebt sich im Ruhezustand einfach nur gut...wenn ich das jetzt im Namen Von Josef sagen darf....

Eine inklusive Beschulung die den Ruhezustand beachtet, das ist für Autisten die einzige Möglichkeit überhaupt zur Schule zu gehen. Hochsensible Wesen brauchen hochsensibles Verständnis sowie Schulen und Kitas, die ihre Grundbedürfnisse schützen und gewähren, so dass auch sie ein Recht haben am gesellschaflichen Leben teilzunehmen.

 

9.11.2015, Palermo


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