NEWS: Nächste MGV am 05.02.2018
Autist - Sein
 
   
PDF-Downlaods Deutsch / English
 
(Beitrag in Zusammenarbeit von Amy Rose (Illustratorin, Koautorin) und dem White Unicorn e.V.)
 
Viele Autisten sehen, hören, riechen und erleben die Welt ganz anders als nicht-autistische Menschen. Sie nehmen Gerüche wahr, die bei anderen Menschen untergehen. Sie sehen und nehmen Dinge wahr, die für andere vollkommen nebensächlich sind. Sie nehmen Geräusche besonders intensiv wahr, die Nicht-Autisten gar nicht beachten. Und so gibt es noch viele andere Wahrnehmungsaspekte, in denen sich Autisten von Nicht-Autisten unterscheiden, die sich im Alltag bemerkbar machen.  Dass einzelne Wahrnehmungsaspekte nicht auch bei Nicht-Autisten auftreten können, ist nicht ausgeschlossen. Durch die Hochsensibilität und verschiedenartige Wahrnehmung der sensorischen Bereiche können aber bei Autisten genau diese Geräusche z.B. zu einer Barriere und ein zu viel an Körperkontakt zur Folter werden.
 
Kurz gesagt: Die Welt der Autisten ist in vielen Aspekten komplett anders als jene der Nicht-Autisten. Und doch leben wir alle auf dem gleichen Planeten. Die autistische Welt ist nicht schlechter oder besser als jene der Nicht-Autisten. Wenn wir lernen unsere Sichtweisen der Welt zu kennen und zu verstehen, können wir viel voneinander lernen. Darum haben wir versucht die Empfindungswelt der Autisten für Nicht-Autisten verständlich zu machen. Gehen Sie mit uns auf eine Entdeckungsreise und lassen Sie sich überraschen.
 
 Autist/inn/en und Hochsensorik
 
Desensibilität ist ein Produkt von Hochsensibilität. Empfindungsmechanismen werden neurologisch ausgeschaltet, wenn die Sensorik überstrapaziert wird. Das kann temporär, aber auch ein dauerhafter Zustand sein. Durch dauerhaftes Ignorieren der äußeren Reizumgebung, kann dies zur Folge haben, dass non-verbal kommunizierende Autisten, die eigentlich eine enorme, wertvolle Sensibilität an den Tag legten, als Kleinkind umschwenken. Klassischer Weise werden sie dann zu sogenannten Low Functioning Autisten, so etwa im Alter von 2-3 Jahren. Geboren sind sie aber nicht so, sie haben erst nach vielen rücksichtslosen Erfahrungen "zu sprechen aufgehört" oder "gar nicht erst angefangen", "spielt nicht mehr", "haben sich nicht mehr für Bücher und ihre Umwelt interessiert".
 
Man straft den Fremdkörper Autismus
 
Irgendwann schlagen, beißen, treten sie nur noch und starren im Wechsel die Wand an und zeigen Eigenschaften wie: Alles essen, was in der Umgebung ist, krampfartiges Festhalten an etwas, den Kopf gegen die Wand schlagen etc. Lamentierende, überbenutzte und unklar formulierte Sprache überfordert sie, wodurch die Kommunikationsfähigkeit dieser Autisten heruntergefahren wird.
 
Es heißt dann, das sei der Autismus.
 
Dass es sich aber um einen umweltbedingten Mechanismus handelt, kann niemand so richtig wahrnehmen oder verstehen. Vielleicht auch manchmal bewusst nicht einsehen, weil man sich dann selbst oder das geschaffene Umfeld auch als Störfaktor erkennen müsste? Manche Autisten kommunizieren fast ausschließlich non-verbal, obwohl sie intellektuell alles verstehen.
 
Nicht-Autisten werden zur eigentlichen Behinderung
 
Wenn Autisten Ausrufe wie "Stop!", "Raus!", „Bla bla bla!" oder "Schluss!“ von sich geben, werden sie oft fehlinterpretiert. Manch Einer fühlt sich dabei vor den Kopf gestoßen, da er eigentlich selbst hilfebedürftig wäre, gleichwertige Kommunikation richtig zu lernen. Warnsignale werden durch solche selbst bedürftigen "nicht behinderten Menschen" nicht wahr genommen und dadurch selbst zu einem weiteren Störfaktor. Sie verursachen aufgrund der Empathieunfähigkeit gegenüber Autisten oft unlösbare Konfliktsituationen. Für Autist/inn/en ist dies fatal, sie schirmen sich ab und ab einem gewissen Grad der Überlastung bekommt der Autist nicht mehr mit, wenn er sich vor Schreck heißen Kaffe übergießt oder das Radio unerträglich laut dreht. Erst wenn die Reize entfernt werden, kann der Autist wieder handlungsfähig werden. Deshalb nennt man unempathische, selbst bedürftige Menschen in diesem Zusammenhang eine „Barriere“, wie das ebenso der Schall aus einem Radio sein kann.
 
Abgestempelt und von Natur aus beschränkt
 
Von außen bescheinigt man diesen Autisten dann gerne Desensibilität oder gar Intelligenzlosigkeit. In Wahrheit resultiert diese Beeinträchtigung aber aus überanwesender Sensibilität gegenüber Schall und unempathischen, groben Menschen die zu wenig Distanz wahren - nicht aus fehlender. Daher auch das ewige Falschurteil mit der angeblich verarmten - oder noch schlimmer, gar fehlenden Empathie. Das Schlimme an dieser Wahrnehmungsmanipulation ist, dass viele Autist/inn/en beginnen, selbst an diese hausgemachten Defizite zu glauben. Wer sich unfähig fühlt, stellt Weiterentwicklungsmechanismen ein.
 
Was nicht passt, wird passend gemacht
 
Neuroleptika, Sedativa und Konditionierung stehen ab da an mit Umerziehung an der Tagesordnung. Medizinisches Behinderungsmodell, zur Verhinderung von Behinderung. Die/der Autist/in soll jetzt bitte funktionieren und ein normales Leben führen, sich aber auch bitte nicht aus den Rahmenbedingungen lösen. Eine ganze Finanzmaschinerie baut sich auf dem Rücken dieser Menschen auf. Würde statt dessen das soziale Behinderungmodell angewandt und jene Schritte der Enthinderung gegangen, an dem alle Verantwortlichen beteiligt sein müssten, wäre das Kind noch immer: - am Sprechen / Spielen / Bücher Ansehen / Laufen / Lernen / sich Entwickeln und nicht in einem solch schlechten Zustand der nervösen Erschöfpung.
 
Keine Neuigkeit
 
Seit Autisten erforscht und öffentlich diskutiert werden, vernimmt man die Ursachenkomponente einer zu lauten, zu schnellen, zu gewaltbereiten Welt. Bis dann Jemand mit dem Vorschlaghammer "Mittelalter" kommt. Im Mittelalter haben Menschen anderer Neurologien meistens positiv bevormundet gelebt. Fälle von "im Brunnen ertränkt" oder "in der Scheune eingesperrt" sind keineswegs der Regelfall gewesen. Überlieferungen zeigen, dass sie ebenso wie heute als "Dümmlinge" betitelt wurden, dennoch kostenlos mit täglichen Speisen , Kleidung und sogar Häusern beschenkt wurden, weil man sich unfähig sah, sie in gesellschaftlich genormte Tätigkeiten einzugliedern. Kein Nacharmungsmodell und doch funktioniert der Integrationssektor bis heute noch so. Ersatzleistungen durch Ämter und Firmen statt Lohn, ohne Chancen auf Weiterentwicklung und Entscheidungsfreiheit.
 
{Ironie an}
Beschränkt ist der, welcher sich nicht für Beschränkung entscheidet - nicht Jener, der die Möglichkeiten beschneidet.
Der gemeine, laute, gewaltbereite Ellenbogen-Mensch von heute, ist nicht verantwortlich. Der seelisch Beschränkte ist einfach zu zerbrechlich. Punkt.
{Ironie aus}
 
Die Sinne an zwei Beispielen
 
Für viele Autisten ist die Wahrnehmung der Welt, als wäre jeder Ort ein Wimmelbild der 5 Sinne. Manch einer erfasst ganz in Ruhe jedes kleine Detail, um das Bild in Gänze wahrzunehmen. Dadurch wirkt es manchmal etwas langsam, dafür ist das Erleben aber sehr intensiv in der Wahrnehmung. Hinterher ist jedes Detail bekannt, der Geruch, die Bilder, wie es sich anfühlt,... Es geht nicht darum möglichst schnell möglichst viel zu sehen. Es geht darum sich auch die Zeit zu nehmen, für das was man erlebt. Es gibt auch einige Autisten, die das Ganze an sich nicht so wichtig finden. Dafür spezialisieren sie sich auf die 1000den Pflanzen und kennen eine jede Art. Ein Wald kann auf verschiedene Weisen betrachtet werden. Der Wald an sich als Ganzes, oder als eine Ansammlung von 1000 Blumen, 597 Sträuchern, 98 Pilzen, 2 Schmetterlingen, 5 Eichhörnchen und 10 Mücken, oder als 1 Blume am Fuße eines Baumes und man vergisst für eine Weile alles um sich herum... Es lässt sich jede Blume erforschen und bestimmen, eine jede Kleinigkeit kann bis ins Kleinste bestaunt werden, jede Vogelstimme kann man einem Tier zuordnen, der Waldboden fühlt sich überall verschieden an, verschiedene Beeren und Pilze schmecken alle unterschiedlich und der Wald riecht anders ob bei Regen oder Sonne. Es ist gut sich darauf zu konzentrieren und sich Zeit zu nehmen, intensiv zu Leben.  
 
1. Tastsinn
 
Wenn man einmal die Augen schließt und Dinge berührt, wird besonders deutlich wie verschieden sich Oberflächen anfühlen. Die ganz besonders intensive Wahrnehmung beim Berühren von Gegenständen und Untergründen wird dadurch sehr deutlich. In manchen Museen und Ausstellungen gibt es "Fühlkisten", wo dies ausgenutzt wird. Anhand der Struktur, der Konsistenz sowie der Beschaffenheit in Größe und Form kann man etwas "begreifen". Bei manchen Autisten ist dieser Sinn ganz besonders gut ausgebildet. Er arbeitet selbst dann hoch effektiv, wenn nicht extra eine Fühlkiste aufgestellt wird. Dadurch wird es möglich sehr viele Unterschiede zu erfassen, sowie für sich auszuloten, was besonders angenehm oder auch unangenehm ist. Als Folge davon wird dann vielleicht ein Biberbettbezug ganz besonders bevorzugt, ein Satinbettbezug hingegen als viel zu "glatt" empfunden, oder auch umgekehrt. Welche Vorlieben im Leben enstehen ist von Mensch zu Mensch völlig verschieden. Gemeinsam ist hier allerdings, dass diese hohe Sensibilität im Tastsinn häufig eine starke Reaktion zur Folge hat. Wird nun etwas berührt, das äußerst unangenehm ist, so kann das bis zu einem Brechreiz führen. Das hat an sich jeder, irgendwann ist der Punkt erreicht, bei dem ein Gefühl des Ekels entsteht. Manche haben dies früher, wie bei einem Tierfell, das an eine Ratte erinnert, oder bei dem Gefühl von etwas, das Spinnenbeinen gleicht. In der Hochsensiblität dieses Sinnes braucht es dafür dann aber diese bewusste Assoziationen gar nicht. Hat ein Fußboden oder ein Griff eine bestimmte Plastikstruktur, wird das dann abgelehnt, ebenso wie Mikrofaserputztücher und vieles mehr, je nachdem was demjenigen unangenehm ist, ohne das bewusst wie einer Spinne zuordnen zu können. Die Frage Warum bleibt somit häufig unbeantwortet, weil dies im Unterbewusstsein geschieht.

Zum Glück ist aber unsere Welt so vielfältig, dass man nicht genau den einen Putzlappen hernehmen muss, sondern einfach eine andere Marke wählen kann. Bei hoher Sensibilität des Tastsinnes, ist dies dann auch dringend notwendig, da sonst die Lebensqualität deutlich darunter leidet. Es hat in der Regel ebenso wie die Assioziation mit einer Spinne einen Grund für die Ablehnung. Es reicht z.B. ein ganz geringe Unverträglichkeit eines bestimmten Stoffes gegenüber und der Körper meldet durch die Sensibilität dann sehr deutlich, dass man dies besser meidet, weil es schädlich wäre. Die Achtsamkeit auf sich selbst aufzupassen wird dadurch wesentlich erleichtert. Es ist sehr häufig eine äußerst nützliche Fähigkeit. Es ist zudem das Lebensgefühl mit angenehmen Gegenständen dann ebenfalls ganz besonders deutlich ausgeprägt und ein neues Kuscheltier, Bettbezug oder im Auto ein Lammfelllenkradbezug erscheinen wie Weihnachten und Ostern zusammen. Mit Achtsamkeit eine angenehme Lebensumgebung zu schaffen ist auf jeden Fall hier von äußerst großer Wichtigkeit und führt zu einer großen Bereicherung im Leben.
 
2. Sehen

Hier am Beispiel eines Bachlaufes im Wald möchten wir einladen zu verweilen. Geht man lediglich daran vorbei, wie noch beim ersten Bild, könnte man einfach weiter gehen. Oder wie am zweiten Bild - in Ruhe - stehen bleiben und wahrnehmen, erkennen, dass es mehr zu entdecken gibt. 
 
 
 
Autismus - ein Wort
 
Autismus ist ein Wort, das für Menschen verwendet wird, die eine hochempfindliche, andersartige Reizverarbeitung über Sinneseindrücke bis in's Soziale hin aufweisen. Autisten unterscheiden sich in der Wahrnehmung, sowie auch der Denkstruktur, von der Mehrheit der Bevölkerung deutlich, als gesunder Teil menschlicher Vielfalt [1]. Die daraus resultierende Neurodiversität kann als natürliche Variation einer Minderheit gesehen werden.[2]
 
Autismus als kulturelles Konstrukt zu betrachten, heißt: es ist unsere Kultur, die ein bestimmtes Verhalten zu einem Problem werden lässt. Und nur in einer solchen Kultur gibt es Autist_innen. [3] Die Lebensweise, die gesellschaftlichem Konsens entspricht, hat für autistische Menschen zur Folge in Sozialräumen auch durch Menschen-Geschaffene Barrieren behindert zu werden. Diese sind beispielsweise Lärm, bestimmte akustische Frequenzen, unnatürliche Umgebung, künstliches Licht, fehlender Schatten, hektische Bewegungen, manche Veränderungen in gewohnten Umgebungen, Berührungen, starke Ungewissheit und nicht zuletzt Zwänge gegen die eigene Natur zu Sein handeln zu müssen, ab frühester Kindheit.[4]
 
Es gibt eine Art Ruhezustand. Aus diesem heraus ist eine hohe Toleranz gegenüber vielen Barrieren wie Veränderung, Unvorhergesehenem und mancher sozialen Interaktion möglich. Dieser Ruhezustand ist den wenigsten bekannt, weshalb er auch in unseren Modellprojekten im Kindertagesbetreuungsbereich, dem Übergang Kita-Schule sowie Schule selbst nun verdeutlicht werden soll. Damit dieser gelebt werden kann, sind geeignete Voraussetzungen zu schaffen, wie etwa auf stimmige Rahmenbedingungen zu achten. Werden die Bedingungen näher beleuchtet, die notwendig sind um den Ruhezustand herzustellen, so kann es sogar gelingen den autistischen Kindern das Recht auf Bildung menschenwürdig zu ermöglichen. Ein gesunder Autist wirkt lediglich anders, authentisch autistisch.
 
Da nicht wie in der UN-Behindertenrechtkonvention [5] beschrieben ein Universellen Designs umgesetzt wird, bedeutet es für die Autisten einen Teufelskreis an Überlastung unter den Barrieren existieren zu müssen. Die starren Strukturen werden als unauflösbar suggeriert. Anstelle einer Auflösung treten immer weitere neue Erwartungen wie Desensibilisierung von Barrieren und immer mehr Kompensationsstrategien - was ausgeschlossen ist zu realisieren. Über Jahre hinweg versuchen die Kinder sich anzupassen, was ihnen als Notwendigkeit vermittelt wird und nach einer oft jahrelangen latenten Ausprägung kommt es zum Zusammenbruch, die Depression ist geboren [6]. Ähnlich im Verlauf zeigen sich stark verstörende Ängste, eine Beeinträchtigung des Schlafes sowie der kognitiven Fähigkeiten um einige Bsp. eines nervösen Erschöpfungszustandes zu nennen [7], durch die Unmöglichkeit auszubrechen aus eigener Kraft, da z.B. Schulpflicht existiert - allerdings keine barrierefreie Sozialraumgestaltung, weder im Räumlichen, noch im Pädagogischen.
 
Dabei sind die für Autisten typischen neuronalen Verbindungen im Gehirn, mit der daraus resultierenden hochsensorischen Begabung sehr wertvoll. Man weiß heute, dass autistische Gehirne schneller reagieren und intensive sensorische Impulse deutlicher wahrgenommen werden, es werden mehr Impulse als durchschnittlich verarbeitet, sie werden besser gespeichert, behalten und detailliert erinnert. Durch die immense Barrierelast geht diese Begabung vollständig verloren und es kommt zu einer Reihe negativer Vorkommnisse im Leben der autistischen Kinder.[8]
 
Hinzu kommen dann oft, leider auch bereits im Kleinkindalter durch die dauerhafte Überlastung, die immer wieder als dringend notwendig durch die Umgebung vermittelt wird,  Selbstverletzendes Verhalten, Einnässen und andere schwerwiegenden Folgen des vegetativen Nervensystems, Sprach- und Motorikversagen, Apathie, eine zum Teil sogar chronische Immunschwäche und vieles mehr. Mit starr wirkender Ordnung versucht so manches Kind hier irgendwie Halt zu finden unter diesen schweren Belastungen dem es ausgesetzt ist. Die Kompensationsmechanismen werden hier oft beständig wiederholt, stundenlang - können aber diese Reiz-Hölle die es für das Kind in so einem Moment darstellt nicht ausgeleichen.  Je tiefer die Kinder im Spektrum sind, je mehr Barrieren sie gegenüber stehen, je eher kommt es auch nach sehr kurzer Zeit bereits zu genannten Symptomen der Überlastung. Nicht selten wird dies begleitet von Akuten Belastungsreaktionen die in einer dauerhaften Posttraumatischen Belastung [9]enden können, wenn die auslösenden Umstände nicht geändert werden. Immer wieder versuchen diese Autisten sich massiv zur Wehr zu setzen gegen diese Art der Fehlbehandlung oder zu fliehen, was dann mangels besserem Wissen um die Bedürfnisse von Autisten "Fremdaggression mit Weglauftendenzen” genannt wird. 
 
Somit ist es ein großer Teil  der Projekte unseres Vereins, die Aspekte von Menschenwürde, denn die Würde des Menschen ist  nach dem Grundgesetz unantastbar, sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt [10] und Menschenrechten, wie sie als Rechte und Freiheiten per Konvention definiert sind, [11] zu betrachten. Es ist ein Anliegen zu erläutern und verständlich zu machen, woran zu erkennen ist, dass ein Kind Stigmatisierung und Pathologisierung ausgesetzt ist und somit gezwungen wird ein menschenunwürdiges Leben zu durchleiden, was zudem verstärkt wird, wenn die autistischen Kinder Gefahren ausgesetzt sind.
 
Wir möchten aufzeigen, dass Überlastungen (engl. Overload), Nervenzusammenbrüche (engl. Shutdown/Meltdown) mit völliger Isolation, sowie Wutausbrüchen und Inputsperren, mit oft schweren Folgen für Körper, Psyche und Seele vermeidbar sind. Ziel ist es eine Lebensumgebung zu schaffen, die menschenwürdig ist, da sie Überlastungen (engl. Overload) für Kinder vorausschauend mildert oder gar verhindert - und ein Leben im Ruhezustand ermöglicht. Mit entsprechenden Kenntnissen wird erkennbar, was die Kinder brauchen, um von kurzfristiger Überlastung zurück in den Ruhezustand zu gelangen.
 
Die Lebensbedingungen sind somit in einer Autismus-phobischen Gesellschaft welche Umstände schafft die für Autisten nicht erträglich sind, unzumutbar.[12] Dies v.a. auch deshalb, da Autismus als Begriff für eine neurologische Veränderung in Form eines menschlichen Seins, im Rahmen menschlicher Diversität [13] zu verstehen ist. Autisten sind Menschen die Bestandteil einer gesunden neurologischen Vielfalt sind, die in erster Linie das Recht auf eine freie Entfaltung ihrer Persönlichkeit bedürfen, um ein selbstbestimmtes Leben zu führen.[14]
 
 
Einzelnachweise

1 What is Neurodiversity?. National Symposium on Neurodiversity at Syracuse University. 2011. 
2 Nick Walker: Julia Bascom (Hrsg.): Loud Hands: Autistic People, Speaking. The Autistic Press, Washington, DC 2012
3 COLIN MÜLLER: http://autismus-kultur.de/autismus/autipedia/autismus.html
4 ESH: http://autisten.enthinderung.de/kollision/
5 UN BRK: https://www.behindertenrechtskonvention.info - Stand 26.10.2016
6 GIGER-BÜTLER: Endlich frei: Schritte aus der Depression – 15. April 2013
7 DR. MÄSER: http://www.psychiater-psychotherapie.com/?p=1153&lang=de
8  Markrams: Markram, K. & H. (2010): The Intense World Syndrome - a unifying theory if the neurobiology of autism, in: Frontiers in Human Neuroscience
9 ICD10, F43.0/1 AKUTE BELASTUNGSREAKTION: http://www.dimdi.de/static/de/klassi/icd-10-who/kodesuche/onlinefassungen/htmlamtl2016/block-f40-f48.htm
10 GRUNGESETZ: https://dejure.org/gesetze/GG/1.html
11 EUROPÄISCHE MRK: https://dejure.org/gesetze/MRK
12 Autism as a Natural Human Variation: Reflections on the Claims of the Neurodiversity Movement. Linköping University, 2014
13 THEUNISSEN 2014, S. 16
14 Aspies e.V.: https://www.aspies.de/ueberuns_ziele.php

 


Zurück